Nachhaltiger Tourismus

Nachhaltiger Tourismus – nachhaltige Entwicklung

Der Machu Picchu Tourismus ist leider kein nachhaltiger Tourismus. In Peru gibt es allerdings einige sinnvolle Projekte, die die Bevölkerung unterstützen und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Eine nachhaltige Entwicklung soll den Schutz der Menschen und der Umwelt stärken. Es ist somit ein stetiger Verbesserungsprozess, der die Qualität der Ökologie und der sozialen Umwelt steigert und optimiert. Die nachhaltige Entwicklung wurde im Brundtlandreport (1987) der World Commission on Environment and Development definiert als:

“to make development sustainable to make sure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.”

Der Begriff „nachhaltiger Tourismus“ lehnt an die Definition von nachhaltiger Entwicklung an. Steck grenzt das Thema folgendermaßen ab,

„Nachhaltiger Tourismus muss soziale, kulturelle, ökologische und wirtschaftliche Verträglichkeitskriterien erfüllen. Nachhaltiger Tourismus ist langfristig, d.h. in Bezug auf heutige wie auf zukünftige Generationen, ethisch und sozial gerecht und kulturell angepasst, ökologisch tragfähig sowie wirtschaftlich sinnvoll und ergiebig.“

Die Tourismusformen Ökotourismus (ecotourism), gesunder Tourismus und Communitiy-based-tourism sind Unterkategorien von nachhaltigem Tourismus. Diese Nischensegmente unterscheiden sich in ihrem Umfang an Merkmalen des nachhaltigen Tourismus.

Die 3 Hauptaspekte einer nachhaltigen Entwicklung, gemessen an verschiedenen Indikatoren, sollen in einem gesunden Gleichgewicht stehen und deren Entwicklung dokumentiert werden.

CBT ist die Abkürzung für Community-based-tourism

Überleitend zum CBT benennen Ashley und Garland die möglichen Auswirkungen einer nachhaltigen Tourismus-Entwicklung,

„Tourism development in communal areas, where the poorer majority live, has potential to not only increase local incomes and jobs, (and support nature conservation), but also to develop skills, institutions, and bring empowerment of local people…“.

CBT bedeutet, dass die lokale Bevölkerung (Dorfgemeinschaft), je nach Partizipationsstufe, die Veränderung der gesamten Umwelt in der Gemeinde durch den Tourismus selbst beeinflussen, steuern und kontrollieren kann. Wegen der verschiedenen Integrationsformen der Gemeinden und der benötigten Flexibilität durch die Unterschiede von Gemeinden, bzw. Bevölkerungsgruppen kann CBT nach Palm nicht klar definiert werden. Die gesamte Gemeinde soll durch das Projekt von einer nachhaltigen Entwicklung profitieren und dies kann nur durch die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung angestrebt werden. Die Folge dieses essentiellen Kriteriums wird von Cernea auf den Punkt gebracht,

„…giving people more opportunities to participate effectively in development activities means empowering people to mobilize their own capacities, be social actors rather than passive subjects, manage the resources, make decisions and control the activities that affect their lives.”

Dadurch wäre es theoretisch möglich, die Ziele des CBT, ländliche Regionalentwicklung, Arbeitsplätze, Aus- und Weiterbildung, Verständnis und Bewusstsein für die Umwelt (durch Industrieländer induzierte Schäden), Schutz von Kultur und Natur nach den Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung zu erreichen. In diesem Fall müssen zusätzlich zu den Faktoren einer nachhaltigen Entwicklung auch politische Instanzen integriert sein. Die politische Ebene soll die Partizipation der lokalen Bevölkerung an ihrer eigenen Entwicklung ermöglichen und die Rechte für natürliche Ressourcen sicherstellen. Nachhaltiger Tourismus – Ein wichtiger Punkt ist auch die steigende Akzeptanz und der Respekt von Außenstehenden gegenüber der Dorfgemeinschaft, was sich positiv auf die Rechte indigener Bevölkerungen auswirken könnte.

Partizipation ist der Schlüssel zum Erfolg – nachhaltiger Tourismus

Partizipation ist die Beteiligung, Mitwirkung und Mitbestimmung von Individuen und Organisationen. Als übergeordnete Rahmenbedingungen gelten,

  • unterschiedliche Werte- und Normenvorstellung
  • Demokratie und politische Partizipation (good governance) in Entwicklungsländern,
  • das soziale Geschlechterverhältnis in den Entwicklungsländern sowie
  • unterschiedliches Wissen und Information bei den Akteuren,

um eine gerechte Verbindung zur ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen Umwelt herzustellen.  Dies soll über die Definition einer GTZ-Studie verdeutlicht werden:

„Partizipation, als Prozeß verstanden, muß es allen Beteiligten ermöglichen, ihre Interessen und Zielvorstellungen im Dialog zu formulieren und im Konsens mit allen Betroffenen umzusetzen. Die ständige und offene Kommunikation als Grundvoraussetzung der Beteiligung stärkt das Vertrauen der Zielgruppen in ihre eigenen Fähigkeiten, fördert die gegenseitige Vertrauensbildung zwischen den Institutionen und den Zielgruppen. Sie erlaubt den Zielgruppen eine realistische Einschätzung ihrer Entwicklungsmöglichkeiten und Potentiale und sichert einen wirtschaftlicheren Ressourceneinsatz durch eine kreative Mitwirkung und Eigenleistung aller Betroffenen.“

Eine intakte und offene Kommunikation fördert also aus pädagogischer Sicht,  ein aktives integriertes Mitglied aller stattfindenden Prozesse zu sein. Es ist somit eine kollektive Entscheidungsfindung und die Einbeziehung der Individuen mit ihrem potenziellen Interesse. Die zwei soeben genannten Kriterien, kollektive Entscheidungsfindung und die Einbeziehung der Individuen, sind beide gleichermaßen wichtig, widersprechen sich aber laut Beckmann. „ Dabei wird der Widerspruch zwischen einer aus pädagogischen Gründen verordneten Partizipation und einer wirklichen Abgabe von Entscheidungsmacht und Kontrollmöglichkeiten an Trägerorganisationen und Zielgruppenangehörige übersehen.“ Schneider übersetzt die von Pretty (1995) aufgestellten 7 Partizipationsformen in Anhang E). In der BMZ-Studie „Partizipative Entwicklungszusammenarbeit“ (1999) werden die Möglichkeiten der Einflussnahme der Beteiligten in den verschiedenen Partizipationsformen diskutiert.

  • Information und Konsultation: Die Zielgruppen werden informiert und um ihre Meinung gebeten. Beide Elemente sind auch Bestandteil der anderen drei Partizipationstypen.
  • Mitwirkung: Die Zielgruppen werden informiert und um ihre Meinung gebeten. Ihre Anregungen werden mit einbezogen.
  • Mitentscheidung: Die Zielgruppen entscheiden mit. Ihre Bewertung des Erfolges ist mitentscheidend für die Gesamtbewertung des Vorhabens. Gegen ihren Willen werden keine Maßnahmen durchgeführt.
  • Eigenverantwortung und Selbstbestimmung: Die Zielgruppen oder Institutionen der Zivilgesellschaft führen eigenständig geplante Maßnahmen selbst durch, für die sie Geber um Mithilfe ersuchen, oder sie schlagen Gebern die Durchführung von gewünschten Entwicklungsvorhaben vor.
Integration menschlicher, natürlicher und monetärer Ressourcen

Die Qualifikation der lokalen Bevölkerung muss als Schlüsselfaktor für eine wirtschaftliche Entwicklung und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen angesehen werden. Nach Palm sind diese Voraussetzungen im Konzept des CBT von vornherein integriert und können „Hilfe durch Selbsthilfe“ verursachen.